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Artikeln » Musik » Interviews
| Rappacinis Tochter |
| Autor |
Easy |
Bewertung :  |
| Datum |
15.01.2009 |
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| Vote-Teilnehmer |
2 |
| Gesehen von |
786 |
0 Kommentare |
| Beschreibung |
Rappacinis Tochter in Hamburg
Dritte Runde für das Kult-Gothic-Musical
Gerade noch rechtzeitig zur bevorstehenden Rückkehr des gefeierten Gothic-Musicals „Rappacinis Tochter“ in die schönste Stadt der Welt, gelang es Darkside ein ausführliches Interview mit dem Mann zu führen, der alles möglich machte.
Darkside: Hallo Alexander, vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Könntest du dich zunächst für unsere Leser kurz vorstellen?
Alexander: Ich bin Alexander Hunzinger, kreativer Kopf von Aeternitas, der Gothic-Theatre-Metal Band aus Lübeck/Hamburg und Darsteller in unserem aktuellen Gothic-Musical "Rappacinis Tochter".
D: Kannst du die Story des Musicals noch einmal kurz für uns umreißen?
A: Die Geschichte spielt in Padua vor ca. 300 Jahren. Der junge Giovanni zieht in die Stadt um dort Medizin zu studieren. Von seinem Zimmer aus sieht er ein hübsches junges Mädchen, Beatrice, die in dem geheimnisvollen Garten ihres Vaters Dr. Rappacini lebt. Giovanni verliebt sich in sie, doch es rankt sich ein dunkles Geheimnis um Beatrice, das die beiden nicht so leicht zusammen kommen lässt, wie sie es sich wünschen. Den Rest will ich lieber nicht verraten.
D: Wann und wie kam dir die Idee ein Musical zu machen? Bist du ein Fan des Autors Nathaniel Hawthorne, auf dessen gleichnamiger Kurzgeschichte Euer Musical basiert?
A: Nicht unbedingt Fan... Ich habe zu Jugendzeiten in verschiedenen Musicalproduktionen mitgewirkt und dabei meine Liebe zum Musical entdeckt, vor allem für die historischen Musical Dramen. Zeitgleich haben wir mit Aeternitas begonnen und dabei Konzeptalben wie unser Debut "Requiem" geschrieben. Mit der Zeit war es dann mein Ziel, beides zusammen zu bringen. So habe ich mich vor einigen Jahren an ein Konzept für ein Musical gewagt, dass wir dann mit der Band umsetzen können. Dazu habe ich einen geeigneten Stoff gesucht und bin auf einen Film mit drei Kurzgeschichten von Hawthorne gestoßen. „Rappacinis Tochter“ hat mir am besten gefallen und ich hab mir die Kurzgeschichte besorgt. Der Stoff passte einfach super: Er ist historisch, dramatisch, düster, mysteriös und schien mir für die Umsetzung eines ersten Musicals am besten geeignet.
D: Begünstigte es deine Wahl, dass Hawthorne neben E. A. Poe als wichtigster Autor des „American Gothic“ gilt?
A: Das war kein Entscheidungskriterium, hat sich aber gut zusammengefügt.
D: Es gibt einige Unterschiede zwischen Kurzgeschichte und Musical, wie beispielsweise die Einführung von Beatrices Mutter Maria. Wieso erschienen Euch diese Änderungen sinnvoll?
A: Wir mussten schauen, welche Aspekte der Kurzgeschichte wir herausarbeiten wollen und wo wir davon abweichen wollten. Wir haben uns entschlossen, den Aspekt der Liebe als Kernmotiv für unser Musical heraus zu stellen. Zum einen die Liebe zwischen Giovanni und Beatrice. Doch wir brauchten noch geeignete Motive für das Handeln der Vaterfiguren Rappacini und Baglioni. Deshalb haben wir eine Hintergrundgeschichte um Maria erfunden, die nicht in der Kurzgeschichte vorkommt. Diese bildet eine weitere tragische Liebesgeschichte, die sich sozusagen in Giovanni und Beatrice fortsetzt.
D: Dadurch erhält die Figur des Rappacini auch noch eine menschlichere Seite, finde ich.
A: Genau, er ist nicht mehr so abstrakt, sondern wird nachvollziehbarer in seinen Handlungen und somit auch menschlicher. Er zeigt auch Schwäche.
D: Wer war alles in die Entstehung des Musicals involviert?
A: Während der Konzeptsionsphase habe ich die Musiktheaterregisseurin Sandra Heinzelmann kennengelernt, mit der ich fortan das Buch und die Texte verfasst habe. Meine Frau Anja und ich haben dann begonnen die Songs zu schreiben. Zu einem späteren Zeitpunkt haben wir uns noch musikalische Unterstürzung von dem befreundeten Tilman Kracke geholt, der einigen Titeln einen Musical Touch verliehen hat und wir uns somit musikalisch etwas vielfältiger geben konnten. Bei den Proben haben die Musiker der Band dann noch ihre persönliche Note in die Songs eingebracht.
D: Aus welchem Grund gibt es allein für die Rolle der Beatrice drei verschiedene Besetzungen?
A: Wir haben für Beatrice und demnächst auch für Giovanni mehrere Besetzungen, da wir den reibungslosen Ablauf der Shows sicherstellen müssen. D.h. um gegen Krankheit gewappnet und insgesamt auch flexibler zu sein, arbeiten wir mit alternierenden Besetzungen. Da eine der Darstellerinnen der Beatrice auch die Rolle der Lisabetta spielt, gibt es für diese zwei Rollen drei Besetzungen. Für Giovanni sind wir zu zweit und auf Dauer werden wir versuchen, auch die anderen Rollen mehrfach zu besetzen.
D: Siehst du das Musical als konsequente Weiterentwicklung eures bisherigen Bandschaffens? Ihr bezeichnet eure Musik ja ausdrücklich als Gothic-Theatre-Metal.
A: Genau. Diese Bezeichnung haben wir schon mit dem letzten Album eingeführt "La Danse Macabre". In unserem Totentanz haben wir auch schon mit verteilten Rollen darstellerisch gesungen und auf der Bühne sehr theatralisch performt. Ein richtiges Musical ist somit wirklich eine Weiterentwicklung.
D: Wieso fasziniert Dich gerade der Bereich des Gothic-Metal besonders?
A: Wenn man die Grundgeschichte nimmt, würden "Phantom der Oper" oder "Jekyll & Hyde" auch als Gothic Musicals zählen. Es ist die düster-romantische, doch meist tragische Geschichte, die mich fasziniert. Bei uns kommt nun noch die Musik hinzu, die mit vielen Einflüssen des Gothic-Metals, aber auch mit anderen Elementen, arbeitet.
D: Für Dich macht also eher die Hintergrundgeschichte „Rappacinis Tochter“ zu einer Art Gothic- Musical und weniger die Musik?
A: Ich denke es ist die Kombination aus beiden, die es zu einem Gothic-Musical macht.
D: Ist das Musical denn explizit an eine bestimmt Zielgruppe gerichtet? Wie hat sich euer Publikum bisher zusammengesetzt?
A: Wir haben schon versucht, verschiedene musikalische Einflüsse aufzunehmen. Allerdings nur, um den Inhalt durch die Musik passender ausdrücken zu können. Wenn man 90 Minuten lang ähnliche musikalische Bausteine benutzt, wird es schnell langweilig und man wird der Geschichte nicht gerecht. Zunächst haben wir eher an ein Genre-spezifisches Musical gedacht und darin auch unsere Hauptzielgruppe gesehen. Das lag wohl eher daran, dass wir als Band aus diesem Genre kommen. Doch bei den Aufführungen haben wir schnell gesehen, dass wir viele unterschiedliche Menschen aller Altersgruppen ansprechen. Es hat uns zunächst überrascht, doch dann sehr gefreut, dass wir auch außerhalb irgendwelcher Szenen die Menschen begeistern können.
D: Hältst du die Region Hamburg für einen besonders geeigneten Standort für euer Musical? Wenn ja, wieso?
A: Es ist natürlich innerhalb Deutschlands eine der großen Musical Städte; dazu gibt es neben den drei großen Musicaltheatern noch viele kleine Häuser und Produktionen. D.h. einerseits ist das sicher ein gutes Umfeld für unser Musical, andererseits gibt es auch viel Konkurrenz, der wir uns stellen müssen. Wir haben vor allem den Vorteil, dass es unsere Heimat ist und es uns daher leichter fällt hier zu spielen und wir auch ein wenig Unterstützung aus dem Bekanntenkreis erhalten.
D: Euer Musical erfreut sich im norddeutschen Raum ja zunehmender Beliebtheit. Gibt es Pläne Euer Projekt auf ganz Deutschland auszuweiten?
A: Wir arbeiten inzwischen mit einer Agentur zusammen, die uns in den kommenden Jahren auch in ganz Deutschland vermitteln möchte. Das erfordert natürlich viel mehr Planung und Know-how, das wir nun durch die Agentur bekommen. Es ist gut möglich, dass wir in Zukunft auf kleineren Touren innerhalb Deutschlands unterwegs sein werden.
D: Ihr habt gerade beim Deutschen Rock- und Pop-Preis in der Kategorie „Bestes Musicalalbum“ gewonnen. Wie kam es dazu und was bedeutet Euch diese Auszeichnung?
A: Bei diesem Preis konnte man sich in über 60 verschiedenen Kategorien bewerben. Wir haben uns deshalb in der Kategorie Musicalalbum beworben und anschließend hat eine Fachjury die Gewinner aus den Bewerbern ermittelt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir unser Musical ja schon viele Male live vor Publikum aufgeführt und haben sehr gutes Feedback bekommen. Durch die Auszeichnung wurde unser Werk nun aber auch noch durch eine Fachjury gewürdigt, was noch mal eine andere Art der Anerkennung darstellt. Wir freuen uns somit riesig Publikum und Jury überzeugt zu haben.
D: Vielen Dank, Alexander. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg.
A: Ich danke Dir. Bis bald bei der Show!
rappacini.de
Isabell Köster |
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